Trockenbeschleuniger (Grosses Malerhandbuch von Carl Koch, 1962)

Trockenstoffe sind Hilfsstoffe in der Praxis des Malers. Dieser bezeichnet sie im allgemeinen als Sikkative, oder Siccative und versteht darunter meist ölige dünne, mittel- bis dunklebraune Flüssigkeiten, deren Trockenkraft die trocknender Öle wesentlich erhöht.

Das Wort siccativ ist aus der lateinischen Sprache abgeleitet: siccus heisst trocken. Dem Maler wäre es in der heutigen Zeit, wo alles auf schnellste Fertigstellung drängt, nicht mehr möglich, ohne Siccativ auszukommen. Eine Anzahl unserer Körperfarben bezeichnen wir als gute Trockner und wissen, dass diese, wenn sie in der Öltechnik verwendet werden, auch mit wenig Siccativzusatz besser trocknen als andere, die einen reichlicheren Zusatz bekommen haben.

Gute Trockner sind bekanntlich das Bleiweiss und alle übrigen Bleifarben (Bleizinngelb, Bleimennige, Neapelgelb), ferner auch einige Eisenoxidfarben, wie Ocker und Umbraerden. Diese Farben würden gegebenenfalls auch ohne Siccativ trocknen. Das ist bei den meisten Farben aber nicht so, manche Pigmente beeinträchtigen sogar die Trocknung des Leinöls. Hierzu gehören z.B. verschiedene Schwarzfarben.

Die Siccative des Handels sind entweder Resinate, d.h. harzsaure oder Oleate, d.h. leinölsaure Verbindungen mit Metallen, oftmals mit Blei, Mangan und Kobalt. Ausserdem werden auch Naphthensäure und andere organische Säuren bei der Herstellung von Trockenstoffen benutzt. An Stelle der aus Erdöl stammenden Naphthensäuren werden neuerdings rein synthetische Isocarbonsäuren verwendet. Sie ergeben ein reines, genau kontrollierbares Material, das einen etwa 30 bis 40% höheren Metallgehalt als bei Naphthenaten erlaubt, und sowohl bei der Verarbeitung als auch nach dem Trocknen der Anstrichstoffe geruchlos ist. Im chemischen Sinne werden diese Verbindungen auch als Metallseifen bezeichnet. Metallseifen sind also immer Verbindungen eines Metalloxids mit einem Säurerest. Das sind die eigentlichen Siccative. Sie beschleunigen die Oxidation der trocknenden Öle und verkürzen dadurch den Trocknungsprozess und werden als geschmolzene und gefällte Siccative in chemischen Fabriken hergestellt. Als trockene Substanzen kommen sie in die Lackfabriken, wo sie zur Herstellung der Firnisse und der flüssigen Siccative Verwendung finden.

Je nach den verwendeten Metallsalzen unterschiedet man Blei-, Mangan- und Kobaltsiccative. Ferner unterscheidet man leinölsaur oder harzsaur geschmolzene oder gefällte Trockenstoffe. Kobaltverbindungen haben die beste Trockenwirkung und der Zusatz eines guten Kobaltsiccativs braucht deshalb nur gering zu sein. Bleiverbindungen können bekanntlich in Räumen, wo Schwefelwasserstoffgas aufkommt, eine Schwärzung der Farben hervorrufen. Die Mangansiccative sind wegen der bei weissen Farben wegen der sich ergebenden Rosafärbung nicht beliebt. Für weisse Emaillen bedient man sich der Kobalttrockner. Mischungen von Blei- und Mangansiccativen trocknen besser als jedes für sich.

Als neuer Metallrest ist ein Zirkoniumkomplex in Benzinlösung mit 6% Zirkoniumgehalt entwickelt worden, der als Filmhärtungsmittel für Öl- und Alkydharzlacke ohne Versprödung eingesetzt werden kann. Harzsiccative (siehe Harttrockenöl, Kopallack, Bernsteinlack und ALCHEMIST Bernsteinlack), die noch viele freie Harzsäuren enthalten, können genau wie derartige Lacke gewisse Metallfraben, beonders Bleifarben, eindicken.

Siccative haben eine wichtige Bedeutung in der Kunstmalerei. Wenn aber schon der Siccativzusatz für eine Ölfarbe, die als Anstrichmittel dienen soll, vorsichtig bemessen werden muss, so ist bei dem Zusatz von Trockenmitteln für die Bildermalerei äusserst behutsam zu verfahren. Eine übermässige Verwendung verursacht Risse, Trübung der Ölfarbe und Fleckenbildung. Wir empfehlen einen Zusatz an max. 2% zum Malmittel. Ein Zuviel führt neben den schon angeführten Fehlern auch oft zu einer klebrigen Wirkung, zu Vergilbung und Verfärbung.

Anmerkungen meinerseites:
Weisstrockner und Trockner für unsere natürliche Ölfarben, natürliche Öllasuren, Hartöle etc., sind bleifreie Siccativkombination.
Diese werden je nach Anforderung kombiniert und je nach Ölzusammensetzung portioniert.

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