Die eigenen vier Wände lasieren

Zunächst möchte ich Ihnen den Sinn des ganzen Trachtens verständlich machen. Anschließend ist auch Ihr Verstand gefragt.

Das Gefühl, mit den Augen in die Oberfläche eines Materials vorzudringen, die Tiefe oder eine leichte Bewegtheit zu spüren, löst uns zu einem unbeschwerteren Umgang mit der gebauten statischen Umgebung. Die Freude vertieft sich oder klingt gar nach wie gute Musik. Wird eine Oberfläche zu glatt, zu hart oder zu monochrom, wirkt sie abstoßend. Bei dauerhaftem Einfluss werden wir selbst erhärten.

Aus der Tradition „offener“ Oberflächen sind wir unter dem Einfluss der künstlichen Farben „geflohen“. Doch die hohen Ansprüche der Anthroposophie haben uns schöne Lasuren beschert. Mit Pflanzenfarben wurde von ihnen eine neue Brücke in die sinnliche Erfahrung prächtiger Farben gebaut. Zunächst von Waldorfkindern und ihren Eltern bzw. Erziehern kulturvoll gepflegt und erspürt, wurde diese junge Tradition von Naturfarben Herstellern aufgegriffen und phantasievoll mit Erd- und Mineralfarben erweitert. Die wachsende Beliebtheit hat jüngst sogar die kunststoffliche Farbenindustrie zur Nachahmung verführt. An dieser Stelle sei aber gesagt, dass all die Kunststoffoberflächen nicht viel , eigentlich gar nichts, mit der Schönheit von natürlichen Lasuren zu tun haben.

Doch zurück zur Lasur im besseren Sinn. Wir unterscheiden prinzipiell nur zwischen Pflanzenfarben und Erd- bzw. Mineralpigmenten. Letztere erreichen nicht ganz die lasierende Wirkung und Schönheit wie Pflanzenstoffe sind aber viel beständiger gegenüber dem UV-Licht der Sonne und wesentlich preiswerter. Deshalb bieten wir vorrangig Pigmente zum Herstellen der Wandlasuren an.

Freie Waldorfschule in LeipzigFreie Waldorfschule in Leipzig

Sorgsame Vorbereitung

Bevor mit der eigentlichen Lasurtechnik begonnen werden kann, sollte man sich intensiv mit der Art des Untergrundes befassen. Schaffen wir uns den Untergrund selbst, empfehlen wir die Wandfarben des Herstellers, der auch den Wandlasurbinder liefert.

Da die ästhetische Qualität der Arbeit auch immer von den Eigenschaften der zu lasierenden Oberfläche abhängig ist, kann es nur gut sein, Wandfarbe und Lasurbinder vom gleichen Hersteller zu benutzen. Besonders zu erwähnen ist die über 30jährige Erfahrungen der Firma BEECK / AGLAIA.

Wer jedoch auf fertigen Flächen lasieren will, sollte einiges beachten. Eine weiße, wischfeste Wand als Lasurgrund ist die erste Voraussetzung für eine schöne Lasur. Sie garantiert viel reflektiertes Licht, welches uns dann die Wirkung der farbigen Pigmente zu Gemüte führt.

Die zweite Voraussetzung für eine gelungene Wandlasur ist die begrenzte Saugfähigkeit des Untergrundes. Die Überprüfung geschieht auf einfache Weise. Mit der Lasurbürste wird etwas Wasser scheibenwischerartig auf die Wand gestrichen und im Eindringverhalten beobachtet. Verschwindet das Wasser schnell (die gewässerte Fläche wird stumpf und etwas dunkler), müssen wir auf einen stark saugenden Untergrund Rücksicht nehmen. In der Regel wird die Verdünnung des Lasurbinders mit Wasser etwas großzügiger ausfallen, als es die Hersteller angeben (z.B. beim Wandlasurbindemittel der Firma Kreidezeit sollten 1-2 l Wasser zusätzlich verwendet werden, wenn Sie Lehm- oder offene Kalkputzwände mit Kalkfarben geweißt haben.). Perlt das Wasser beim Versuch sichtbar von der Wand, wird mit geringster Verdünnung gearbeitet. In der Regel liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Man muss sich also dem richtigen Verhältnissen maßvoll nähern. Und dies trifft gleichsam auf die Pigmentierung zu. Nähern Sie sich langsam und probieren Sie die Farbtonmischung nicht auf der zu gestaltenden Wand, sondern nutzen Sie Papier oder Tapetenreste.

Rote Wandlasur auf roter KaseinfarbeRote Wandlasur auf roter Kaseinfarbe

Sollten Sie bei aller gebotenen Zurückhaltung eine zu lasche Lasur aufgetragen haben, kann diese einfach wiederholt werden. Auch lassen sich verschiedene Farbtöne in mehreren Schichten übereinanderlegen. Passiert das Gegenteil, nämlich ein ungewollt kräftiger Auftrag, kann der Raum sehr beunruhigend wirken. In solch einem Fall müssten Sie mit einem neuen Weißanstrich beginnen. Lasieren Sie also ruhig und zurückhaltend.

Eine tolle gestalterische Ergänzung ist auch der Auftrag der Wandlasur auf einer mit gleichem Pigment eingetönten Wandfarbe. Es entsteht ein sehr kräftiger, ruhiger Farbton. Natürlich wird ein solch behandeltes Zimmer etwas dunkler erscheinen, als ein lasierter Raum mit weißem Untergrund. Diese Gestaltung kann aber ganz besondere Reize entwickeln.

Auswahl von Werkzeug und Lasurtechnik

Auch mit jedem Werkzeug und jeder Lasurtechnik nimmt man direkten oder indirekten Einfluss auf das spätere Erscheinungsbild. Deshalb kommt dieser Auswahl auch eine besondere Bedeutung zu. Prinzipiell empfehlen wir jedem Anfänger mit einer nicht zu breiten Lasurbürste, besetzt mit Schweinehaaren (Chinaborste), zu beginnen. Dazu passend ist die einfache Technik der liegenden Achten. Sie tauchen den Lasurpinsel geringfügig in die Lasur und beginnen mit immer wiederkehrenden Bewegungen in Form einer liegenden Acht zu streichen. Sind die Pigmente aus dem Pinsel verstrichen, wird dieser erneut geringfügig (ca. 1-2 cm) eingetaucht. Wichtig ist, dass Sie nass in nass arbeiten. Pausen werden erst nach Vollendung einer gesamten Wand möglich.

Wer schließlich genügend Erfahrung gesammelt hat, hat vielleicht Lust bekommen, sich in anderen Lasurtechniken zu versuchen. Egal ob Sie mit Schwamm oder Lederrolle tupfen, wischen, rollen oder streichen – es gibt viel zu erschliessen. In den einzelnen Produkthinweisen für die entsprechenden Lasurbinder finden Sie passende Anregungen. Vielleicht werden Sie auch von Bekannten oder Freunden angeregt und angeleitet.
Wir wünschen Ihnen auf jeden Fall viel Freude bei der Dekoration Ihres Umfeldes.

lasiertes Kinderzimmerlasiertes Kinderzimmer

Bleibende Eindrücke

Ist die Wandlasur zu Ihrer Zufriedenheit gelungen, sollten Sie den fertigen Raum gern besuchen wollen. Mit der Zeit wird die Lasur dezent in den Hintergrund treten aber weiterhin auf Sie und Ihre Mitbewohner oder Besucher anregend wirken. Empfinden Sie keine Störungen, ist Ihnen eine langlebige Freude sicher. Sie haben mit Ihrer Farbe den richtigen Ton getroffen.

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