Kalkofen in ArbeitKalkofen in Arbeit

Geschichte und Würdigung

Unter den Naturbaustoffen nimmt Kalk eine bedeutende Stellung ein. Er ist als natürlicher Rohstoff ähnlich wie Lehm in riesigen Mengen fast überall auf der Welt vorhanden.

Als flache Urmeere mit Unmengen von Schalentieren die Oberflächen der Erde prägten, wurden die vielfältigen Kalkvorkommen angelegt. Später gingen die Urmeere zurück, der Kalk aber blieb. Vulkanische Aktivitäten veränderten das flache Land. Gebirge entstanden, Berge wurden vom Winde verweht. Kurz gesagt, die Erdkruste schichtete sich neu. Die ausschweifenden Kalkvorkommen wurden mehr oder minder mit zerfallenen Vulkangesteinen bedeckt. Jedoch sind Kalklagerstätten immer in den oberen Schichten zu finden und werden im Tagebau gewonnen. Die Menschheit hat sehr frühzeitig erkannt, dass das relativ weiche Gestein gut zu bearbeiten sei und fing bald an mit Kalksteinen Gebäude zu errichten.

Stilleben im KalkwerkStilleben im Kalkwerk

Die Ägypter bauten Pyramiden, die Römer ihre Aquädukte und die Franken ihre Kirchen. Als gebrannter und gemahlener Baustoff fand der Kalk ebenfalls sehr frühzeitig seine Bedeutung. Vom einfachen Mauermörtel der Römer bis zu historischen Gestaltungstechniken wie Scraffito oder den berühmten Freskomalereien, überall ist Kalk die Grundlage. Aus modernen Werkstoffen ist er auch nicht wegzudenken, ob Mörtel und Kalksandsteine oder Spannbetondecken, Kalk ist immer dabei.

Gleichsam in vielen anderen Lebensräumen machen wir uns oder die Tierwelt sich dieses elementare Naturgut zu Nutzen. Des Menschen Knochen, wie wir wissen, wären ohne Kalk nicht haltbar. Besonders gut versteht sich auch unser Haushuhn auf die Verwendung des Kalkes. Kein weich gekochtes Frühstücksei stünde je auf unserem Tisch ohne die Baukunst des Huhnes. Die dünne Kalkschale garantiert die Form und ist eine gute Verpackungen zugleich. Jede Muschel oder Schnecke hat dem Kalk ihr schützendes Gehäuse zu verdanken.

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch die landschaftsprägenden Bilder von Kalk. Jeder Italienreisende kennt die oberitalienischer Marmorfelsen bei Pisa.Und was wäre wohl aus Caspar David Friedrich geworden, hätten sich die unzähligen Muscheltiere des nördlichen Urmeeres nicht so wundervoll zu Rügens Kreidefelsen gefügt.

Also, Kalk ist Geschichte, prägt die Gegenwart und wird auch die Zukunft bauen.

Die technischen Seiten

Wenn Kalk nicht als Baustein verwendet wird, muss man ihn brennen oder wenigsten malen und waschen. Dann kann man ihn als Baustoff und Farbe einsetzen. Da die Aufbereitung und Verwendung von Kalk sehr vielseitig sein kann, möchte ich beispielhaft nur den Kalkbrand und die Herstellung von Sumpfkalk beschreiben.

Das Interessanteste am Kalk ist seine »Reizbarkeit«. Alle unterschiedlichen Kalkgesteine wie weiche Kreide, reiner Muschelkalk oder der recht harte Marmor bestehen chemisch gesehen hauptsächlich aus Calciumcarbonat. In einem natürlichen Kreislauf kann Calciumcarbonat, also Kalk, bei ca. 1000°C gebrannt, mit Wasser gelöscht und gesumpft oder getrocknet werden. So entsteht ein Material, welches unter Einfluss von Wasser stark reagiert. Der Kalk ist ätzend und verlangt nach Kohlendioxid. Hat er Gelegenheit sein Bedürfnis zu befriedigen, entsteht wieder wetterfester Kalkstein. So haben wir ihn auch zuvor aus der Erde gehoben. Doch bevor der Kalk seine Reaktion vollziehen konnte, haben ihn in der Regel als Farbenbindemittel und gemischt mit Sand als Mauermörtel oder Putz in den verschiedensten Techniken verarbeitet.

Es entstehen also mit Hilfe des Kalkbrennens Kalkanstriche und verschiedene Mörtelwerkstoffe. Diese sind sehr dauerhaft und wetterfest. In der Bauökologie sind vor allem ihre Alkalität, ihr Diffusionsvermögen und ihre besonders gute Kapillarität von geschätztem Interesse. Kalkoberflächen wirken desinfizierend und „atmen“ besonders gut. Außerdem kann Wasser wunderbar auswandern. Es kommt zu keinen Stauungen und damit verbundenen Wasserschäden.

Eine Besonderheit ist nun der Sumpfkalk. Dieser erhält seine vorzüglichen Eigenschaften nicht durch kurzfristiges Einrühren von trockener Sackware, deren Herkunft und Verunreinigung nicht nachvollziehbar sind, sondern durch langjähriges Lagern von eingesumpftem Kalk. Dieser sollte auf Holzfeuer schwefelfrei gebrannt und rein sein.

Pinselputz mit Kalk- und LehmfarbePinselputz mit Kalk- und Lehmfarbe

Guter Sumpfkalk hat mindestens zwei Jahre luftdicht unter Wasser gelegen. Für die Pflege von Denkmalen wird auch schon mal 8 Jahre gesumpfter Kalk benötigt. Je länger er liegt, desto besser zufallen seine Teilchen. Seine Haftung wird unübertroffen, seine Haltbarkeit auch. Außerdem kann ein solcher Kalk nach dem Anstrich oder Putzen sein Volumen nicht mehr vergrößern, sumpft er doch nicht nach. Dies kann man von den meisten Kalktrockenprodukten nicht sagen. Sie werden in der Regel nur ungenügend gelöscht. Sumpfkalk hingegen ist das Sahnehäubchen unter den Baustoffen. Wir verkaufen vorzugsweise zweijährigen Sumpfkalk als reinen Anstrich oder als fertige Sumpfkalkfarbe bzw. mit Kalkgries gefüllt als Streichputz.

Einige Begriffserklärungen

All Diejenigen, die nicht täglich mit Kalk arbeiten, finden es vielleicht interessant, ein paar Fachworte erklärt zu bekommen. In loser Folge zunächst einige Bezeichnungen und Charakteristika vom Bindemittel Kalk:

Löschkalk: Nach dem Brennen wird Stückkalk mit Wasser gelöscht. Es entsteht Weißkalkhydratteig, durch Sumpfen verbessert man sein Eigenschaften;

Sumpfkalk: Der im Wasser gesumpfte dicke Kalkteig bleibt lange unter Luftabschluß in Kammern oder Trögen liegen. Je länger gesumpft, desto feinteiliger wird der Kalk;

Fettkalk: anderer Begriff für Sumpfkalk;

Magerkalk: kein reiner Kalk, vermischt mit anderen Mineralien (siehe Dolomitkalk);

Ätzkalk: durch Brennen von Kalkstein gewonnene Substanz in fester weißer Form;

Mergelkalk: Mischgestein aus Ton und Kalk, wobei der Kalkanteil deutlich überwiegt;

Dolomitkalk: aus Dolomitstein gebrannter Luftkalk, poröses Gestein aus Kalzium und Mangan;

Romankalk: natürlich hydraulischer Kalk, mit hohen Tongehalt und niedrigen Gehalt an freiem Kalk, macht ihn besonders reaktiv und sehr widerstandsfähig, eignet sich als Bindemittel für Mauermörtel, Fassaden- und Innenputze sowie Kalkböden – manchmal auch Romanzement genannt;

Graukalk: spezieller Luftkalk mit natürlich Anteilen an Mangan und Eisenoxid, im Gegensatz zum Weißkalk kann er durch die Bestandteile keinen weißen, sondern einen grauen Farbton haben;

Marmorkalk: grobkristallines, metamorphes Gestein (Kreide ist im Gegensatz ein feines, mikrokristallines Kalkgestein) – entstanden durch hohen Druck anderer Gesteinsschichten, die sich eruptiv auf Kreide- oder Kalkablagerungen ablegten – größere Vorkommen liegen weitläufig im Alpenraum;

Muschelkalk: fossile Ablagerungen im flachen Urmeer werden später von anderen Gesteinsschichten überlagert und gedrückt, wir verwenden hauptsächlich Vorkommen nördlich der Alpen;

Magnesiakalk: enthält ein mindestens 15% Magnesiumkarbonat, nennt man diesen Kalk Magnesiakalk, er wird vorrangig zur Dünnung verwendet;

Kalkmilch: mit Wasser stakt verdünnter Kalkbrei – meist aus Sumpfkalk hergestellter Anstrich;

Zum Schluss möchte ich noch den Unterschied zwischen Luftkalk und hydraulischem Kalk beschreiben. Wenn gebrannter und gelöschter Kalk als Farbe oder Mörtel verarbeitet wird, nimmt er gern das beim Brennen verlorenen CO₂ zurück. Aber der Kalk kann dies nur unter Mithilfe von Wasser. Deshalb muss er feucht sein. Dieser Vorgang wird in der Fachsprache als Carbonatisierung bezeichnet. Luftkalk heisst deshalb so, weil er zur Carbonatisierung neben dem Wasser halt auch Luft braucht. Die meisten Kalkmaterialien werden auf diese Weise wieder zu wetterbeständigem Kalkstein.

Hydraulischer Kalk ist ein Spezialfall. Er wird gern bei größerer Belastung durch Spritzwasser im Sockelbereich oder Bodenfeuchte angewandt. Hydraulisch erhärtet der Kalk, wenn zur Carbonatisierung noch eine Hydratation stattfindet. Diese Kalksorten besitzen so genannte Hydraulefaktoren wie Aluminium oder Eisen.

Klosterruine MemlebenKlosterruine Memleben

Mit ihnen kann der Kalk auch unter Wasser erhärten. Das entstehende Calciumsilikat trägt dazu bei, dass der Putz gegen Wasser und leicht saure Flüssigkeiten beständiger bleibt als Luftkalkmörtel.

Wie eindrucksvoll in Kalk gelegtes Mauerwerk über 10 Jahrhunderte bestehen kann, soll Ihnen die Ruine des Klosters verdeutlichen. Ohne konstruktiven Schutz überstehen diese Mauern fast ewige Zeiten.

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